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Unterrichtsphasen trennen

 

Damit die didaktische Absicht der Phasierung von Unterricht wirksam werden kann, ist eine deutliche Trennung der einzelnen Phasen von großer Wichtigkeit. Dazu wird die Aufmerksamkeit der Schüler gezielt aus der vorangegangenen Phase abgezogen und auf die neue Phase gerichtet. Häufig reicht eine kurze Zäsur durch den Lehrer, der beispielsweise anhand des Stundenprogramms verdeutlicht, dass der Unterricht nunmehr in eine neue Phase tritt: „Wir kommen jetzt in die Phase 4!” Er zeigt das am schriftlichen Unterrichtsprogramm und nennt das Thema dieser Phase.


Manchmal reicht das aber nicht aus, weil die Schüler noch sehr intensiv mit ihrer Arbeit beschäftigt sind und sich nicht davon trennen können und wollen. Das gilt insbesondere für Phasen selbstständigen Lernens. Bevor es mit der gemeinsamen Arbeit weitergehen kann (etwa, um Ergebnisse zu präsentieren), müssen die Schüler sehr deutlich von ihrer bisherigen Aktivität getrennt werden, nicht ohne ihnen dabei Gelegenheit zu geben, erst einmal „Luft zu holen”, bevor eine Phase gemeinsamer Arbeit und neuer Konzentration möglich wird.

Oft spürt man als Lehrer Widerstand von Schülern, die sich von ihrer Arbeit nicht trennen wollen. Aufforderungen wie „Kannst du jetzt auch mal den Stift weglegen?”, oder „Kannst du jetzt endlich auch mal nach vorne schauen?”, signalisieren, dass viele Schüler noch gar nicht bereit für etwas anderes sind, noch voll in ihrer Sache stecken. Ohne eine klare Trennung von ihren unmittelbaren (oft auch noch unvollendeten) Aktivitäten bleibt die Situation diffus und unklar.


Häufig ist eine räumliche Veränderung ein erfolgreiches Verfahren, um einen Schnitt zu machen. Beispielsweise können sich die Schüler im Halbkreis um die Tafel aufstellen, an der Arbeitsergebnisse präsentiert werden. Manchmal braucht es jedoch einen deutlicheren Schnitt. Dann kann es hilfreich sein, die Aufmerksamkeit auf ein völlig neues, ganz anderes Thema zu richten (z. B.: „Bitte denkt morgen an das Geld für unseren Ausflug!”). Dadurch wird kurzfristig und sehr deutlich die Aufmerksamkeit der Schüler von der bisherigen Tätigkeit abgezogen und auf das neue Thema gerichtet, um anschließend sofort mit dem eigentlichen Thema fortzufahren. „Ich denke, jetzt sind eure Köpfe wieder frei, sodass ihr euch auf die Präsentation der Ergebnisse konzentrieren könnt.” Jochen und Monika Grell („Unterrichtsrezepte”) haben dieses Verfahren „Auslöschung” genannt; wegen der negativen Konnotation dieses Begriffs, der darüber hinaus bei Praktikern nach wie vor Unverständnis auslöst, haben wir uns für den Terminus „Phasentrennung” entschieden.


Die Kunst einer solchen Phasentrennung besteht darin, einerseits die Aufmerksamkeit der Schüler schnell von der bisherigen Aktivität abzuziehen, ohne aber mit dem kurz dazwischen geschobenen Thema gewissermaßen ein neues Fass aufzumachen. Deshalb ist es unerlässlich, den Schülern die Begründung für eine solche Phasentrennung zu vermitteln. In der Regel reicht es aus, diese Methode einmal grundsätzlich zu begründen. Die Schüler wissen dann auch in Zukunft Bescheid, was es damit auf sich hat, wenn der Lehrer ein neues Thema ganz kurz zwischen zwei Unterrichtsphasen „schiebt”.


Ein Phasentrenner ist eine äußerst effektive Methode, um schnell Aufmerksamkeit für frontale Unterrichtsphasen zu schaffen. Er fördert darüber hinaus die konstruktive Lernatmosphäre – ganz im Gegensatz zu den bloß disziplinierenden Varianten. Dennoch ist die Methode kaum bekannt  und wenig verbreitet,  ruft bei Referendaren wie gestandenen Lehrern immer wieder Erstaunen hervor und stößt auf Skepsis.


Damit ein Phasentrenner funktioniert, sollte man darauf achten:


  1. 1.•Ein Phasentrenner sollte kurz sein – sonst wäre die „Phasen trennende Aktivität“ ja eine eigene Phase!

Nach einem Phasentrenner sollte der Lehrer ohne die kleinste Pause sofort und zügig mit dem Thema der neuen Phase weiter machen, also zum Beispiel so:  Nachdem man zur Phasentrennung vielleicht einen Zungenbrecher ein paar Mal gemeinsam gesprochen hat, sagt der Lehrer sofort (z.B.): „Ich möchte jetzt von euch hören, was ihr in der selbstständigen Arbeit geschafft habt!“


Möglichkeiten einer deutlichen Phasentrennung


  1. 1.Die Sitzordnung verändern; beispielsweise einen Stuhlkreis bilden.

  2. 2.Einen einfachen Rhythmus vorklatschen, den die Schüler aufnehmen (vorklatschen – nachklatschen).

  3. 3.Ein bekanntes Lied singen; besonders geeignet sind Lieder mit Bewegung,
    z. B. in der Grundschule: „Das Zottelpferd”, „Pferderennen”, „Löwenjagd”,
    „Ein kleiner Matrose”.

  4. 4.Das Aufräumen von Stationen oder anderen selbständigen Arbeitsphasen
    durch ein (klassisches) Musikstück begleiten.

  5. 5.Ein Gedicht gemeinsam sprechen oder als „mündlicher Lückentext”
    (Der Lehrer spricht das Gedicht vor und lässt beim Sprechen Lücken, die
    die Schüler im Chor ergänzen).

  6. 6.Zungenbrecher:

      1. 1.Der Kaplan klebt Pappplakate.

      2. 2.Zwischen zwei Zwetschgenzweigen zwitschern zwei geschwätzige Schwalben.

      3. 3.20 Zwerge zeigen Handstand: 10 im Wandschrank, 10 am Sandstrand.

      4. 4.She sells seashells at the seashore.

  7. Webtipps:

www.spielekiste.de/archiv 

www.familie-hauenstein.de/links/kinder/lieder.htm

www.zzzebra.de/index.asp?themaid=341 (Zungenbrecher)

Mehr zu Unterrichtsphasen und zu pfiffigen „Phasentrennern“ im Buch:


Thomas Unruh & Susanne Petersen: Guter Unterricht - Praxishandbuch. Handwerkszeug für Unterrichtsprofis. AOL-Verlag 2011, 11. ergänzte und überarbeitete Auflage (mit Video-DVD)