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Lehrerinfos

 

Schüler können Informationen über eine Sache, ein Thema, ein Ereignis, einen Vorgang oder einen Ablauf in vielfältiger Weise erlangen. Besonders sinnvoll ist es, wenn diese Informationsbeschaffung von den Schülern selbstständig organisiert wird. Wir haben in diesem Buch deshalb eine Fülle von Beispielen dafür gegeben, wie sich Schüler selbstständig Informationen beschaffen und diese untereinander weitergeben können, indem sie sich gegenseitig informieren (siehe Kapitel „Selbstständig lernen”).


Dem Lehrer als Informationsgeber haftet das Odium des „Steißpaukers”, des klassischen „Be-Lehrers” an, der vorne an der Tafel steht und dozierend die Welt erklärt. Ein Lehrer-Info oder -vortrag – eine Unterrichtsmethode von vorgestern?

Wir glauben, dass gut gemachte Lehrer-Infos einen wichtigen Stellenwert im Unterricht haben. Der Lehrer als kompetenter Experte jener Sache, um die es geht, erfüllt mit einem interessanten Info eine Reihe wichtiger didaktischer Funktionen:

  1. 1.Er fördert die Aufmerksamkeit durch Methodenwechsel.

  2. 2.Er wirkt beispielgebend für die Schüler, die Präsentationen gestalten oder Referate halten.

  3. 3.Er gewinnt Respekt durch spürbare (und nicht bloß behauptete) Kompetenz.

  4. 4.Er klärt schnell, was Sache ist, und spart damit Zeit, die anders besser zum Lernen genutzt werden kann.

  5. 5.Er klärt, was anders nicht oder nur sehr schwierig zu klären wäre.

Was wissen oder vermuten die Schüler?


Ein Lehrer-Info macht nur dann Sinn, wenn der Inhalt des Infos für die meisten Schüler wirklich neu ist. Sonst besteht die Gefahr, dass das Gegenteil dessen erreicht wird, was mit dem Info beabsichtigt ist: Die Schüler fühlen sich nicht ernst genommen und schalten schnell ab. Deshalb muss der Lehrer zuerst das Vorwissen seiner Zuhörer klären. Manchmal geht das ganz schnell, beispielsweise wenn es um die Bedeutungsklärung von Fremdwörtern geht: „Kann jemand kurz erklären, was genau Çdelegierení heißt?”


Doch Vorsicht! Hier geht es nicht um Erarbeitungsunterricht, also ein fragend-entwickelndes Herantasten an den Begriff, sondern um ein kurzes Vergewissern, ob einige Schüler das Info geben können. Wenn der Lehrer merkt, dass dies nicht der Fall ist, gibt er selbst ein Kurz-Info, etwa so: „Delegieren bedeutet abordnen oder jemandem die Zuständigkeit für etwas übertragen. Zum Beispiel: Der Lehrer delegierte die Gesprächsleitung an eine Schülerin. Das Nomen Delegation bedeutet Abordnung und Delegierte sind Abgeordnete, zum Beispiel eines Parlaments.”


Auch wenn der Inhalt des Infos ein umfangreicherer Sachverhalt ist, ist es unbedingt notwendig, zunächst die Vorkenntnisse sowie die Hypothesen der Schüler abzufragen, die in der Regel irgendetwas zu der Sache, um die es gehen soll, bereits im Kopf haben. Dies geschieht wiederum nicht in der Form einer Erarbeitung, sondern in einem kurzen Unterrichtsgespräch. Das Lehrer-Info folgt dann auf das zusammenfassende Resümee der Vorkenntnisse, Hypothesen und präzisierten Fragen der Schüler zum Thema.


Beispiel:


Thema: Wie entsteht eigentlich Donner? Was weißt du darüber oder was vermutest du?


  1. 1.Vorbereiten: Austausch zu zweit oder in der Gruppe.

  2. 2.Lehrer sammelt Schülerbeiträge ohne Nachfragen und Kommentare.

  3. 3.Lehrer resümiert die Beiträge (Zusammenfassung / Wiederholung ohne Wertung und Kommentar).

  4. 4.Lehrerinfo zum Thema
    (das auch auf Beiträge der Schüler Bezug nimmt).

Weiter lesen im Buch, u.a. zu folgenden Themen:

  1.    Der Ablauf eines Lehrerinfos

  2.    Zehn Tipps und Regeln für gut gemachte Lehrerinfos


Thomas Unruh & Susanne Petersen: Guter Unterricht - Praxishandbuch. Handwerkszeug für Unterrichtsprofis. AOL-Verlag 2011, 11. ergänzte und überarbeitete Auflage (mit Video-DVD)